Ortsgeschichte Renthendorf

Renthendorf mit Hellborn im oberen Rodatal Unweit der Rodaquelle erstreckt sich Renthendorf im Tal des idyllischen Flüsschens über fast drei Kilometer; ein weiterer kommt an den Ufern des Schwarzbaches hinzu, wo die Einwohner des Ortsteiles Heiligenaue leben. “Die große Ausdehnung Oberrenthendorfs rührt daher, daß fast jedes Haus seine Grundstücke nebenan und hinter sich hat“, schrieb im Jahre 1843 der auch als „Vogelpastor“ bekannt gewordene Renthendorfer Pfarrer Christian Ludwig Brehm. Gegründet wurde das Dorf mit hoher Wahrscheinlichkeit in der sogenannten Phase des Landesausbaus Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts. Beim Kirchenneubau im Jahre 1741 wurde ein Stein mit der Jahreszahl 1200 im Vorgängergebäude gefunden. Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes stammt derzeit aus dem Jahre 1394. In einer Urkunde vom 3. April, aufgesetzt in Jena, ist Heinrich von Gera Zeuge in einer Urkunde des Markgrafen Friedrich von Meißen, worin er für Adelheid, Gemahlin Günthers von Eichicht, 4 Schock Jahreszins aus Renthendorf (bei Triptis) als Leibgedinge festlegt (Urkundenbuch der Vögte von Weida Nr. 357). Eine Besonderheit von Renthendorf scheint es schon immer gewesen zu sein, an der Grenze verschiedener Herrschaftsgebiete zu liegen oder gar durch diese zerschnitten zu werden. In alten Kirchenbüchern ist für den Bereich von Unterrenthendorf im 14.und 15.Jh. von den Herren von Hayn und später von den Herren von Meusebach die Rede, im Zusammenhang mit Oberrenthendorf tauchen u.a. die Namen von Eichicht, von Pöllnitz, von Oebschelwitz und von Brandenstein auf. Nach dem Aussterben der Meusebacher im Jahre 1753 wurde schließlich auch das Rittergut Unterrenthendorf mit seinen Besitzungen und Untertanen durch das Rittergut Oberrenthendorf übernommen. Verwaltungsmäßig gehörte der Ort zum Kurfürstentum bzw. Königreich Sachsen, dann im Jahre 1815 einige Tage zu  Preußen und schließlich zum Herzogtum bzw. (ab 1806) Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Durch Staatsvertrag von 1831 kam Unterrenthendorf ab 1.1.1833 zum Herzogtum Altenburg, bei dem es bis zum 30.9.1922 verblieb. Die alten Grenzsteine kann man heute noch am Rande mehrerer Wanderwege in und um Renthendorf betrachten.

Die Haupterwerbszweige waren in Renthendorf über lange Zeit die Landwirtschaft und das Handwerk (Böttcher, Maurer, Mühlenzeugarbeiter, Müller [5 Mühlen], Schmied, Schneider, Schuhmacher, Zimmermann). Des Öfteren wurde auch beides nebeneinander betrieben. Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung konnten die relativ kargen Böden trotz intensiverer Bearbeitung und Anwendung der Dreifelderwirtschaft, der Düngung u.a. nicht mehr das hervorbringen, was für die ansteigende Bevölkerungszahl und zur Befriedigung der ebenfalls gewachsenen Bedürfnisse erforderlich war. So kam zunehmend Handel und Gewerbe (Gastwirt [5 Gasthäuser], Handelsmann oder -frau) und schließlich die Fabrikarbeit in den Industriebetrieben der Städte in der Umgebung (Hermsdorf, Jena, Münchenbernsdorf, Stadtroda, Triptis) dazu.   Einen Tag nach den Kommunalwahlen wurde am 7. Mai 1990  die bisher selbständige Gemeinde Hellborn aufgelöst und kam als Ortsteil Hellborn zu Renthendorf. Hellborn schmiegt sich in einer Höhe von ca. 330 m in ein enges Seitental der Roda zwischen Kleinebersdorf und Neuensorga, diesseits von Renthendorf/Schwarzbach und Eineborn/Tautendorf. Einem hellen oder klaren „Born“, altdeutsch für Wasserquelle, verdankt die deutsche Siedlung ihren Namen. Obwohl erstmals urkundlich in einem Lehnsverzeichnis um 1400 in der Schreibweise „Heiligborn“ erwähnt, wird davon ausgegangen, dass Hellborn im Zuge der Besiedlung der Tälerdörfer um 1200 mit entstanden ist. Zunächst sollen viele der Bewohner Fuhrleute gewesen sein, später gingen sie ausschließlich dem Ackerbau nach. Das Ende der einzelbäuerlichen Landwirtschaft wurde mit der Gründung der LPG „Einigkeit“ im Jahr 1960 eingeleitet. Auch die Hengstzuchtstation für schwere Zugpferde von Fritz Liebold wich der „Neuzeit“. Heute finden sich nur noch vereinzelte bäuerliche Nebenerwerbsbetriebe. Von der seit 1587 mit Unterbrechung bis ins 20. Jh. betriebenen Loh- und Mahlmühle zeugt heute noch der Mahlteich.

Aus DDR-Zeiten weiterhin genutzt wird der Technikstützpunkt sowie eine Stallanlage, nunmehr durch die Agrargenossenschaft Ottendorf e.G. Als einzigen Handwerksbetrieb besitzt Hellborn eine Moto Cross- und Endurowerkstatt, die von den Geschwistern Grünelt (Nr. 3) betrieben wird.

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Die während der Amtszeit des „Vogelpastors“ Christian Ludwig Brehm anstelle einer sanierungsbedürftigen Kapelle erbaute und 1825 eingeweihte Kirche erstrahlt nach einer Renovierung in den Jahren 1991 und 1996 wieder in ihrem ursprünglichen Glanz. Eine Besonderheit Hellborns war eine 1925 errichtete, durch Paul Öhler finanzierte zweite Kirche. Zu dieser Zeit hatte sich die übergroße Mehrheit der Mitglieder der Kirchgemeinden Hellborn, Kleinebersdorf und Renthendorf von der Landeskirche abgewandt. Die 1923 gegründete Gemeinde der Ev.-Luth. Freikirche Hellborn-Renthendorf wurde 1966 aufgelöst, verlor aber bereits bis 1930 die meisten ihrer Mitglieder. Zurück blieben nur Fotos der ca. 1981 abgerissenen Holzkirche und archivierte Gerichtsakten.

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Einmalig in seiner Art im SHK ist lt. Denkmalschutzbehörde das 1796 gebaute Umgebindehaus (Nr. 9), in exponierter zentraler Lage.

Am westlichen Ortsausgang Hellborns findet man am Straßenrand zwei beschädigte Sühnekreuze, über deren Ursprung nichts bekannt ist. Am östlichen Ortsausgang wird demnächst im Zuge des geplanten Autobahnausbaus die derzeitige Kreisstraße durch eine Autobahnüberführung nach Neuensorga ersetzt. Der damit verbundene Holzeinschlag erregte die Gemüter.

Durch eine Eigeninitiative konnte jedoch eine Lösung herbeigeführt werden. Gesellschaftlich organisiert sind die Einwohner im eingetragenen Feuerwehrverein und in der Jagdgenossenschaft. Mit Hilfe beantragter Fördermittel möchte die Jagdgenossenschaft im Dorfzentrum ein Ensemble zur Information und zum Verweilen schaffen. Das ehemalige Brau- und Darrhaus und der Gedenkstein für die Gefallenen des 1. WK sollen hierin eingebunden werden. Jährlich zu Himmelfahrt und dem stets am Sonnabend danach stattfindenden Maibaumsetzen finden viele den Weg in das Seitental, wo Verpflegung und Musik zum Rasten einladen. Den Besuchern präsentiert sich Hellborn als idyllisch gelegenes Tälerdorf mit 31 Häusern, etwas über 100 Einwohnern und einer Gaststätte.

Grabmahl Brehm

Mit Getreide oder Raps bedeckte Höhenzüge gehen in Waldungen über, ausgeschilderte Wanderwege laden Naturliebhaber wie Freizeitsportler gleichermaßen ein. Vorrangig Vierseitenhöfe säumen die einzige Straße durch das jeweilige Dorf. Streuobstwiesen werden von Schafen „gepflegt“, während auf saftig grünen Hängen Mutterkuhherden weiden und die beschauliche Kulisse vervollständigen, ähnlich wie sie sich wohl auch schon den
Naturforschern Brehm darbot. Es ist nicht zu leugnen, dass die Brehms Renthendorf herausgehoben haben aus der Anonymität eines Dörfchens in den Wäldern Ostthüringens. Diese Tatsache gedenkt die Gemeinde auch für ihre Zukunft zu nutzen. Nachdem nach der Wende im Jahre 1989 viele der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und in der Industrie der Umgebung u.a. angesichts des scharfen Windes auf dem Weltmarkt weggebrochen sind, gewinnt der Wirtschaftszweig Tourismus als eine Form gefragter Dienstleistungen an Bedeutung. Es ist daher auch kein Zufall, dass sich die Gemeinderatsmitglieder dafür entschieden haben, mit Hilfe der Bürger das Dorf zum Modellort Dorftourismus zu gestalten. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatten die Städter Renthendorf als “Sommerfrische” entdeckt und nach 1945 bevölkerten jedes Jahr Hunderte von Kindern und Jugendlichen aus mehreren Ferienlagern das Dorf und seine Umgebung und tankten frische Kräfte für das nächste Schuljahr. Mit der Brehm-Gedenkstätte und dem Brehm-Schullandheim, welches im Herbst 2000 in das rekonstruierte Gebäude der ehemaligen Brehm-Schule (Renthendorf war spätestens seit dem 16. Jahrhundert Schulort und blieb es bis 1997) eingezogen ist, gibt es erste Voraussetzungen  für Übernachtungsmöglichkeiten und Freizeitangebote. Auch bezüglich der Schaffung von Unterkünften für Touristen in den Häusern der Dorfbewohner gibt es Anfänge. Das relativ gut ausgebaute und beschilderte System von Wanderwegen in der Gemeinde und deren Umgebung bietet vielfältige Möglichkeiten, die wunderschöne Landschaft zu genießen und andere Sehenswürdigkeiten unserer Heimat zu erwandern. Im Frühjahr 2003 erfolgte auf dem so genannten „Stadtweg“ zwischen Renthendorf im Saale-Holzlan-Kreis und Burkersdorf im Saale-Orla-Kreis der Bau eines 1,8 km langen befestigten Radweges. 2004 erfolgte der Ausbau der kommunalen Straße zum Ortsteil Heiligenaue bis an die Grenze zum Landkreis Greiz

schullandheim

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Mit dem Bau der sich in einem desolaten Zustand befindlichen Kreisstraße durch Renthendorf geht es aus finanziellen Gründen leider nicht so schnell voran wie gewünscht, aber der Anfang wurde 2002 gemacht und die Arbeiten im Jahre 2003 fortgesetzt (ca. 500 m sind bisher geschafft worden). Neben der weltweit einmaligen Brehm-Gedenkstätte locken auch die die Veranstaltungen des Feuerwehrvereins Renthendorf e.V. (alljährliche Höhepunkte sind das Maibaumsetzen zu Pfingsten und die Kirmes am letzten Oktoberwochenende) und des Förderkreises  Brehm e.V. (z.B. mit den Frühjahrs- und Herbstwanderungen und dem Angebot zum Erwerb eines „Naturforscher-Diploms“) Besucher nach Renthendorf.   Ina Müller, Manfred Kanzner und Jörg Hitzing    

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