Quelle Waltersdorf

Die  Quelle  von  Waltersdorf

Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt irgendwann zur Quelle

Schon seit Menschengedenken sind natürliche Quellen bevorzugte Orte in der Entwicklungs geschichte der Besiedlung. Wegen ihrer häufig besonderen örtlichen Lage wurden sie nicht selten von den Menschen beinahe bis zum Mystischen verehrt und mit besonderen Riten bedacht. Die ständige Verfügbarkeit von lebensnotwendigem, frischem Trinkwasser führte letztendlich in vielen Fällen zur Ansiedlung in der Nähe von Quellen.

So ist es vermutlich auch der Quelle von Waltersdorf  zu verdanken, dass an dieser Stelle ein Ort entstand. Sie befindet sich hinter dem Ortsausgang Richtung Tälermühle auf der rechten Seite am Waldrand und speist den alten Dorfteich bevor sie  in der Nähe der alten Steinbrückein die Roda mündet.

Leider ist in der Ortschronik nur wenig über die Historie dieser Quelle zu finden, so dass manches nur vom Hörensagen in Erfahrung zu bringen war. Die ältesten noch lebenden Einwohner erzählten zum Beispiel von einer offenen Wasserleitung aus hölzernen Halbschalen, die von der Quelle zum Kern des Ortes geführt wurde und die Einwohner mit frischem Trinkwasser versorgte.

Mit dem fortschreitenden Anschluss der Orte der Tälerdörfer an die zentrale Wasserversorgung verfiel zu Beginn des 20. Jahrhunderts diese Leitung und damit verlor auch die Quelle viel von ihrer ursprünglichen Bedeutung. Dadurch wurde ebenso das unmittelbare Umfeld mehr oder weniger sich selbst überlassen und führte zwangsläufig dazu, dass sich die Natur den Raum zurückeroberte. Dennoch  ist sie nach wie vor durch ihren ständigen Zufluss für die Erneuerung des Wassers im Dorfteich sehr wichtig.

Obwohl ich vorher bereits von ihrer Existenz gehört hatte, wurde ich im Frühjahr 2009 zufällig bei Holzarbeiten in der Nähe der Quelle direkt mit ihr konfrontiert. Kaum erkennbar floss ein Rinnsal aus Richtung Wald kommend zum Teich hin. Nur schwer war der Ursprung zu finden, das Umfeld war von umgestürzten Bäumen und wucherndem Strauchwerk gekennzeichnet. Der Wichtigkeit bewusst brachte ich durch erste grobe Arbeiten mit Kettensäge, Axt und Spaten zunächst im wahrsten Sinne des Wortes Licht ins Dunkel. Dem Verlauf der Quelle aufwärts näherte ich mich nach einigen Aufräumungsarbeiten dem Ursprung – einer erstaunlich gut erhaltenen Höhle, die sich bei genauerem Hinsehen im Inneren als komplette Grotte mit gewölbeförmiger Decke darstellte. Dies alles aus behauenen Sandsteinen, eine Augenweide für jeden Interessierten. 

Zwar waren von der seitlichen Einfassung des Quelllaufes und der Gewölbefront einige große Steine herabgefallen, der Aufwand einer Restaurierung erschien aber im Vergleich zum zu erwartenden Erfolg mehr als lohnenswert. Zudem hatte mich jetzt eine Art Entdeckerlust gepackt. Gespannt und voller Neugier setzte ich in den folgenden Wochen die weitere Freilegung und Beräumung des Umfeldes fort. Dabei bewahrheitete sich wieder einmal, dass relativ viel Arbeitsaufwand notwendig ist, bis erkennbare Fortschritte zu sehen sind, zumal manche Tätigkeit auch sehr mühsam und kraftraubend war. Von Anfang an wurde Wert darauf gelegt, in Fortführung langjähriger baulicher Tradition in der Region fehlende Steine ausschließlich durch behauene Sandsteine zu ergänzen. Dabei kamen mir einige Bewohner des Altdorfes durch freiwillige Spenden entgegen.

Bei der Bergung und Reinigung eines großen Sandsteines aus dem Schlamm des Bachbettes wurden völlig überraschend und zu meiner Verblüffung und Freude gut erhaltene eingehauene Zeichen sichtbar, die sich nach genauerem Hinsehen als eine Jahreszahl entpuppten. Demnach könnte die Quelle im Jahre

                                                                    1752

gefasst worden sein, eventuell müsste die Echtheit der Kerben geprüft werden. Dieser Stein erhielt seinen Platz als Abschluss der oberen Front des Gewölbes und bildet einen gelungenen Blickfang auf die Sichtfläche. Wichtig war die Einfassung des Bachlaufs auf den ersten Metern in Richtung Teich. Schnell waren die Sandsteine aufgebraucht und die Weiterarbeit musste zunächst unterbrochen werden. Von der Quelle in Richtung Dorf entstand ein provisorischer schmaler Weg, um auch in Zukunft eine leichtere Begehbarkeit und notwendige Materialtransporte zu sichern. Beim Einebnen des Geländes trat noch eine weitere nichtgefasste Quelle zutage, die im weiteren Verlauf mit der ursprünglichen vereinigt wurde. Leider ist aus der Historie kein Name für die Quelle überliefert, selbst die ältesten Einwohner konnten mir hier nicht weiterhelfen. Seit langer Zeit wird die den alten Dorfteich umgebende Grünfläche als Bornwiese bezeichnet und so wurde in Abstimmung mit Alt – Waltersdorfern die Quelle

Quelle Waltersdorf2

                                                            Wiesenborn

getauft. Ein entsprechender Sandstein wurde in Eigenarbeit mit diesem Namen versehen und ebenfalls an der Frontseite des Gewölbes platziert. Eine erste chemische Analyse des Quellwassers bescheinigt eine sehr gute Qualität, die Wasserhärte liegt unterhalb von 20° DH, die Belastung mit organischen Bestandteilen ist weit unter der zulässigen Grenze ebenso wie der Nitrat- und Nitritgehalt.  Durch mehrfache eigene Verkostungen direkt an der Quelle konnte ich mich von einem angenehm frischen Geschmack überzeugen und habe diese Selbstversuche bis jetzt unbeschadet überlebt. 
Auf Anraten der mit der Analyse beauftragten Einrichtung sollte das Wasser allerdings vor dem Genuss sicherheitshalber abgekocht werden. Auch in trockensten Sommern liefert die Quelle einen nie versiegenden Wasserfluss mit einer Temperatur von 5 – 7°C und einer Ergiebigkeit von etwa 20l pro Minute.

In diesem Jahr ist der weitere Ausbau des Quelllaufes und die Fortsetzung der Gestaltung des Umfeldes geplant. Dringend erforderlich sind dafür weitere behauene Sandsteine, bei dieser Gelegenheit wird um entsprechende Spenden aus den umliegenden Orten gebeten. Jeder Stein kann dazu beitragen, dass am Ende eine schützenswerte Anlage und eine Sehenswürdigkeit für Waltersdorf entstehen. Für den Monat April ist in Anlehnung an bereits bestehende traditionelle Bräuche eine sogenannte „Bornfege“ vorgesehen, bei der gemeinsam wichtige Arbeiten durchgeführt werden

Mein besonderer Dank gilt für tätige Unterstützung Herrn Jürgen Reichelt und  Herrn Harald Ertl und für uneigennützige „Steinspenden“ ebenfalls  Herrn Ertl und Herrn Michael Neumann.

Dr. Norbert Miosga
Waltersdorf (März 2010)