Geschichte der Oberbodnitzer Feuerwehr-Handdruckspritze

Geschichte der Oberbodnitzer Feuerwehr-Handdruckspritze

Die Geschichte der Oberbodnitzer Feuerwehr – Handdruckspritze In mehreren Gemeinden unserer Verwaltungsgemeinschaft gibt es sie noch, die alte Feuerwehrtechnik, wie zum Beispiel die alten Handdruckspritzen. Sie übernahmen in den Gründungszeiten der Freiwilligen Feuerwehren bis zur „Motorisierung“ die Wasserversorgung bei Löscheinsätzen.

Handdruckspritzems
Oberbodnitzer Handdruckspritze

Eine der bekanntesten Handdruckspritzen in unserer Gegend ist in Besitz der Oberbodnitzer Feuerwehr. In der Gemeinde gab es sogar einmal zwei Spritzen. Über die ältere Spritze konnte man sogar in der Feuerwehrzeitung vom Februar 1940 lesen:
„Die Feuerwehr der Gemeinde Oberbodnitz in Thüringen besitzt eine alte Spritze, die von der Gemeinde im Jahre 1796 erworben wurde. Es handelt sich um eine sogenannte Stoßspritze; sie ist fahrbar, aber noch mit Holzachsen ausgerüstet und bildet noch heute ein einsatzfähiges Gerät der Wehr. Die Spritze wird bei allen vorkommenden Gelegenheiten eingesetzt und bewies stets eine ganz hervorragende Durchschlagskraft, die immer Bewunderung erregte.“

Zu den technischen Daten kann man in einem Feuerwehrkalender lesen:

„Die Oberbodnitzer Spritze hat einen Kolbendurchmesser von 120 mm, das bedeutet, dass acht Leute zur Druckmannschaft gehörten.
Hinzu kam die eigentliche Einsatzgruppe von acht Feuerwehrleuten. Um den Einsatz nach Vorschrift bzw. Reglement durchzuführen, waren also mindestens 16 Mann erforderlich. Bei einem größeren Feuer war es dann aber auch erforderlich noch mehr Leute zu haben, um die Druckmannschaft ablösen zu können, denn das Pumpen war schon recht anstrengend.
Bei einem Leistungsspritzen im Deutschen Feuerwehrmuseum Fulda haben die Oberbodnitzer Kameraden in einer Zeit von fünf Minuten 1050 Liter Wasser, bei einer durchschnittlichen Wurfweite von 28 m gefördert.“ Noch im Jahre 1943 im aktiven Brandeinsatz, wurde diese Spritze dann aber 1945/46 auseinandergenommen, um an das zu dieser Zeit so begehrte Buntmetall zu gelangen. Grund für ihre Stillegung war die Anschaffung einer Motorspritze TS 8 im Jahr 1946, welche aus der nahegelegnen REIMAHG stammte. Doch die Oberbodnitzer verfügten noch über eine zweite Handdruckspritze, die nun ebenfalls nicht mehr zum Einsatz kam, aber vor der Demontage gerettet werden konnte. Ihre Einsatzgeschichte beschrieb der altgediente Feuerwehrmann Dieter Zipfel aus Oberbodnitz 1998 zum 100. „Geburtstag“ der Spritze:

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Als Mitte der 1890er Jahre das Bauerngehöft Schleitzer bis auf die Grundmauern abbrannte, beschlossen die Gemeindeväter 1897, eine Handdruckspritze zu kaufen.
Die Handdruckspritze wurde von der Firma Brauer und Luck aus Altenburg gebaut und von der Gemeinde Oberbodnitz im Jahre 1898 gekauft. Ihre erste Feuertaufe bestand sie 1903, als die Bauernhöfe Zipfel und Glaser bis auf die Grundmauern abbrannten. Hier hatte sich unsere Handdruckspritze durch einen richtigen Einsatz bewährt. Nach Aussagen des Brandstifters mit Namen „Völkel“ sollte der ganze Ortsteil hinter der Kirche ein Raub der Flammen werden.Im Jahr 1923 rückte die Wehr zu einem Scheunenbrand bei der Familie Polz aus. Für unsere Handdruckspritze bestand die Aufgabe darin, die Wohnhäuser der Familien Oertel und Wießler vor dem Raub der Flammen zu schützen.Zu einem überörtlichen Brandeinsatz rückte die Oberbodnitzer Wehr 1924 nach Seitenroda aus. Dort brannte durch Blitzschlag die Scheune der Familie Sahr ab. Die Wehr hatte die Aufgabe, mit unsrer Handdruckspritze die Schule der Gemeinde Seitenroda vor den Flammen zu halten, wofür sie vom Land Thüringen ausgezeichnet wurde und die Kameraden erhielten einen Winkel, den sie seit diesem Tag am linken Ärmel der Uniform trugen. Weiter kam es zu einem überörtlichen Brandeinsatz in der Gemeinde Trockenborn. Durch Blitzschlag brannte eine Scheune ab, wo auch unsere Wehr mit der Handdruckspritze zum Einsatz kam.Zu einem Brandeinsatz mit der Handdruckspritze kam es 1944 in unserer Gemeinde bei der Familie Rüdel. Hier brannte das Stallgebäude und unsere Handdruckspritze hatte die Aufgabe, das Wohnhaus der Familie Fickler zu halten.
Dieses war der letzte Einsatz unserer Handdruckspritze, denn 1946 bekam unsere Gemeinde eine TS 8 und unsere Handdruckspritze stand bis 1964 nur noch im Gerätehaus.
Im Jahr 1964 führten uns die Begründer der FFW-Oberbodnitz aus Anlass des 40jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr eine Grundübung mit der Handdruckspritze vor. Seit diesem Tag ist sie nicht mehr zum Einsatz gekommen, jedoch wird sie im ganzen Kreis und überkreislich bei Jubiläen und Umzügen als Traditionsfahrzeug mit eingesetzt
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Nach der Wende lasen die Kameraden der Oberbodnitzer Feuerwehr 1991 eine Ausschreibung des Deutschen Feuerwehrmuseums in Fulda. In dieser wurde zum Museumsfest eingeladen, bei dem historische Feuerwehren begutachtet und bewertet werden sollten. Trotz einiger kritischer Stimmen zogen die Feuerwehrmänner los, auch wenn sie sich nicht so sicher waren, ob sie denn mit ihrem „liederlichen Ding“ von Handdruckspritze überhaupt beachtet werden.

Doch genau das Gegenteil war der Fall. Auf Anhieb schaffte man in dem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb den 6. Platz. Es wurde für die Oberbodnitzer ein unvergessliches Wochenende. Nur zwei Jahre später schon konnte mit der Handdruckspritze beim gleichen Wettbewerb der 2. Platz belegt werden. Ein Erfolg, der dem guten Originalzustand der Handdruckspritze und ihrer technischen Funktionsfähigkeit zu verdanken war. Neben den guten Platzierungen, die daraufhin alle zwei Jahre zum Feuerwehrmuseumsfest in  Fulda erreicht wurden, knüpften die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Oberbodnitz viele international Kontakte. So fuhren sie dann 1992 nach Haderslov in Dänemark, um dort an einem internationalen Handruckspritzentreffen teilzunehmen.

Für alle sehr beeindruckend war die Teilnahem an dem großen Festumzug zum Stadt- und Feuerwehrjubiläum, war man noch wenige Jahre vorher von der einen Hälfte Europas abgeschnitten, konnte man siech jetzt mit Feuerwehren aus vielen europäischen Ländern austauschen. Besonders die Kameradschaft unter den Feuerwehrmännern war ein beeindruckendes Erlebnis. Den größten Erfolg errangen die Oberbodnitzer mit ihrer Handdruckspritze 1996 zum 1. Thüringer Handdruckspritzenwettbewerb in Wölfis. Bei der Bewertung des  technischen Zustands und für die Durchführung der Grundübung mit der Handdruckspritze wurde der Sieg errungen.

Das war Ansporn für die Ausrichtung eines Handdruckspritzentreffens in Oberbodnitz und als Termin wurde der 100. Geburtstag der Oberbodnitzer Spritze ausgewählt. Im Vorfeld dieses großen Ereignisses konnte eine fachgerechte Restaurierung durch eine auf alte Feuerwehrtechnik spezialisierte Werkstatt in Oppurg organisiert werden. Pünktlich zum Feuerwehrfest 1998, dem 100jährigen Jubiläum für die Handruckspritze, konnte diese bestens restauriert, was von Experten bestätigt wurde. So konnte der Originalzustand von 1898 nahezu wiederhergestellt werden. Sicherlich hätte man mit der Spritze auch zum 2. Thüringer Handdruckspritzenfest einen vorderen Platz belegt. Doch als Gastgeber wollten die Kameraden aus Oberbodnitz auf eine Teilnahme am Wettbewerb verzichten, einerseits der Fairness halber, andererseits wegen des großen Teilnehmerfeldes von 25 alten Handdruckspritzen, die aus ganz Thüringen angereist waren. Deren Bewertung stellte schon eine gewaltige Aufgabe für die Oberbodnitzer Wehr dar.

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Neben den schon geschilderten Veranstaltungen nehmen die Oberbodnitzer Kameraden mit ihrer Handdruckspritze und in historischen Uniformen noch an zahlreichen Umzügen, Feuerwehrfesten und Jubiläen im Landkreis, wie zum Beispiel in Kahla, Stadtroda und Hermsdorf teil. Und auch über die Kreisgrenzen hinweg fand die Handdruckspritze große Beachtung, wobei der große Festumzug zum 125jährigen Jubiläum des Thüringer Feuerwehrverbandes 1993 in Jena als nur ein Beispiel genannt werden soll. Damit sich noch weiterhin an der Handdruckspritze erfreut werden kann, hat sie heute einen Ehrenplatz im Traditionszimmer des neuen Feuerwehrgerätehauses in Oberbodnitz. Dort wird sie regelmäßig von Kameraden der FFW Oberbodnitz gewartet und für die bevorstehenden „Einsätze“ vorbereitet. So rücken die Feuerwehrmänner durchschnittlich zwei Mal im Jahr zu historischen oder Festumzügen aus. Aber auch noch kleinere „Löscheinsätze“ werden noch absolviert, wie zum Beispiel zum 70. Geburtstag vom langjährigen Feuerwehrmann Dieter Zipfel als Anerkennung für seine Verdienste um die Oberbodnitzer Feuerwehr und ihre Handdruckspritze.

T.S. (Juni 2006)