Pechofen Geisenhain

Der Pechofen in Geisenhain
(von Leopold Koch in „Heimatblätter für den Kreis Stadtroda“ 1956-59)

Wenn man auf der Straße von Stadtroda nach Wolfersdorf – Neustadt/O. geht und das Dorf Geisenhain und die steinerne Brücke passiert, so kann man am Walde links auf der Höhe ei eigenartiges Gebäude sehen. Beim Nähertreten merkt man dann schon am Teer- und Pechgeruch, dass ein Pechofen in der Nähe ist. Die gelbe Lehmhaube leuchtet schon von Weitem herüber.

Es ist ein alter, aus Backsteinen gemauerter Ofen. Er hat zwei 12 cm starke, nebeneinander laufende Mauern, die sich oben am Scheitel miteinander verbinden. Die Steine sind beim Aufmauern mit Lehmmörtel verbunden worden. Die äußeren Ansichtsflächen sind mit einer starken, mit Stroh vermischten Lehmschicht umgeben worden.die Füllung des Ofens mit kienigem holz musste kunstgerecht ausgeführt werden, damit der aufgesetzte Holzstoß nicht zusammenfallen konnte und den ganzen Brand verdarb.

War der Ofen gefüllt und der Brenner, die beiden Löcher zum großen Ein- und aussteigen, mit Steinplatten oder Ziegelsteinen verschlossen, dann konnte der Brand angelegt werden.

Die Flamme schlug in den Luftraum zwischen den beiden Wänden; der Rauch kam so durch die kleinen Löcher im äußeren Mantel ins Freie gelangen. Das Holz fing bald an zu schwitzen, Pech und Terpentin liefen heraus auf den Boden durch die beiden vorgesehenen Röhren in die Rinnen und in die bereitgestellten Gefäße. Drei Tage und zwei Nächte wurde nun das Feuer geschürt. Der Brenner konnte also nur für kurze Zeit den Ofen verlassen.

Die untere Rinne fing das Pechwasser und das obere dünne Metallrohr das Terpentinöl auf. Waren Öl und Pech herausgelaufen und das Holz ausgesaugt, so wurde der Ofen entleert.

Die beiden großen Löcher wurden geöffnet, das ausgesaugte Holz herausgenommen und der Ofen zu neuem brand fertig gemacht. Teer und Terpentinöl wurden in größere Tonflaschen gefüllt. Diese Flaschen wurden dann zu Hause in Holzfässer umgefüllt und vom Böttcher fachmännisch verschlossen, auf Schubkarren geladen und vom Pecher verkauft.

Ein Pfund hat 3 Pfennige gekostet. Der Pecher kam mit seiner Schubkarre und später auch mit dem Handwagen oder mit dem Gespann bis weit nach Sachsen und Bayern hinein. Er kam dann oft nach Wochen oder Monaten wieder heim und hatte gute Geschäfte gemacht.

Durch die großen Erfolge der Technik und der Wissenschaft ist auch dieses Handwerk zum Erliegen gekommen.

Im Jahre 1927 brannte der Pechofen in Geisenhain zum letzten Mal und steht seit dieser Zeit unbenutzt. Jetzt ist er auf Beschluss unserer Regierung unter Denkmalschutz gestellt, damit er als Natur- und Baudenkmal noch recht lange der Nachwelt in Erinnerung bleibt. Das Dorf Geisenhain hat in seinem Gemeindesiegel eine Abbildung des Pechofens eingesetzt, und es zeigt dadurch, wie stolz es ist, ein solches Handwerk im Dorf gehabt zu haben. Zum Schutz gegen Unwetter ist eine Überdachung über den Pechofen gebaut worden. Wir hoffen, dass er noch recht lange erhalten bleibt.

(Anmerkung: die Skizzen sind ebenfalls den Heimatblättern entnommen. Auf der Informationstafel am Pechofen Geisenhain findet sich als Jahreszahl für den letzten Versuchsbrand das Jahr 1934.