{"id":610,"date":"2020-06-09T15:55:57","date_gmt":"2020-06-09T15:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/?page_id=610"},"modified":"2020-06-09T16:29:19","modified_gmt":"2020-06-09T16:29:19","slug":"ortsgeschichte-renthendorf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/?page_id=610","title":{"rendered":"Ortsgeschichte Renthendorf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap has-normal-font-size\"><strong>Renthendorf mit Hellborn im oberen Rodatal<\/strong> Unweit der Rodaquelle erstreckt sich Renthendorf im Tal des idyllischen Fl\u00fcsschens \u00fcber fast drei Kilometer; ein weiterer kommt an den Ufern des Schwarzbaches hinzu, wo die Einwohner des Ortsteiles Heiligenaue leben. \u201cDie gro\u00dfe Ausdehnung Oberrenthendorfs r\u00fchrt daher, da\u00df fast jedes Haus seine Grundst\u00fccke nebenan und hinter sich hat\u201c, schrieb im Jahre 1843 der auch als \u201eVogelpastor\u201c bekannt gewordene Renthendorfer Pfarrer Christian Ludwig Brehm. Gegr\u00fcndet wurde das Dorf mit hoher Wahrscheinlichkeit in der sogenannten Phase des Landesausbaus Ende des 12.\/Anfang des 13. Jahrhunderts. Beim Kirchenneubau im Jahre 1741 wurde ein Stein mit der Jahreszahl 1200 im Vorg\u00e4ngergeb\u00e4ude gefunden. Die urkundliche Ersterw\u00e4hnung des Ortes stammt derzeit aus dem Jahre 1394. In einer Urkunde vom 3. April, aufgesetzt in Jena, ist Heinrich von Gera Zeuge in einer Urkunde des Markgrafen Friedrich von Mei\u00dfen, worin er f\u00fcr Adelheid, Gemahlin G\u00fcnthers von Eichicht, 4 Schock Jahreszins aus Renthendorf (bei Triptis) als Leibgedinge festlegt (Urkundenbuch der V\u00f6gte von Weida Nr. 357). Eine Besonderheit von Renthendorf scheint es schon immer gewesen zu sein, an der Grenze verschiedener Herrschaftsgebiete zu liegen oder gar durch diese zerschnitten zu werden. In alten Kirchenb\u00fcchern ist f\u00fcr den Bereich von Unterrenthendorf im 14.und 15.Jh. von den Herren von Hayn und sp\u00e4ter von den Herren von Meusebach die Rede, im Zusammenhang mit Oberrenthendorf tauchen u.a. die Namen von Eichicht, von P\u00f6llnitz, von Oebschelwitz und von Brandenstein auf. Nach dem Aussterben der Meusebacher im Jahre 1753 wurde schlie\u00dflich auch das Rittergut Unterrenthendorf mit seinen Besitzungen und Untertanen durch das Rittergut Oberrenthendorf \u00fcbernommen. Verwaltungsm\u00e4\u00dfig geh\u00f6rte der Ort zum Kurf\u00fcrstentum bzw. K\u00f6nigreich Sachsen, dann im Jahre 1815 einige Tage zu\u00a0 Preu\u00dfen und schlie\u00dflich zum Herzogtum bzw. (ab 1806) Gro\u00dfherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Durch Staatsvertrag von 1831 kam Unterrenthendorf ab 1.1.1833 zum Herzogtum Altenburg, bei dem es bis zum 30.9.1922 verblieb. Die alten Grenzsteine kann man heute noch am Rande mehrerer Wanderwege in und um Renthendorf betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Haupterwerbszweige waren in Renthendorf \u00fcber lange Zeit die Landwirtschaft und das Handwerk (B\u00f6ttcher, Maurer, M\u00fchlenzeugarbeiter, M\u00fcller [5 M\u00fchlen], Schmied, Schneider, Schuhmacher, Zimmermann). Des \u00d6fteren wurde auch beides nebeneinander betrieben. Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung konnten die relativ kargen B\u00f6den trotz intensiverer Bearbeitung und Anwendung der Dreifelderwirtschaft, der D\u00fcngung u.a. nicht mehr das hervorbringen, was f\u00fcr die ansteigende Bev\u00f6lkerungszahl und zur Befriedigung der ebenfalls gewachsenen Bed\u00fcrfnisse erforderlich war. So kam zunehmend Handel und Gewerbe (Gastwirt [5 Gasth\u00e4user], Handelsmann oder -frau) und schlie\u00dflich die Fabrikarbeit in den Industriebetrieben der St\u00e4dte in der Umgebung (Hermsdorf, Jena, M\u00fcnchenbernsdorf, Stadtroda, Triptis) dazu. \u00a0 Einen Tag nach den Kommunalwahlen wurde am 7. Mai 1990\u00a0 die bisher selbst\u00e4ndige Gemeinde Hellborn aufgel\u00f6st und kam als <strong>Ortsteil Hellborn zu Renthendorf.<\/strong> Hellborn schmiegt sich in einer H\u00f6he von ca. 330 m in ein enges Seitental der Roda zwischen Kleinebersdorf und Neuensorga, diesseits von Renthendorf\/Schwarzbach und Eineborn\/Tautendorf. Einem hellen oder klaren \u201eBorn\u201c, altdeutsch f\u00fcr Wasserquelle, verdankt die deutsche Siedlung ihren Namen. Obwohl erstmals urkundlich in einem Lehnsverzeichnis um 1400 in der Schreibweise \u201eHeiligborn\u201c erw\u00e4hnt, wird davon ausgegangen, dass Hellborn im Zuge der Besiedlung der T\u00e4lerd\u00f6rfer um 1200 mit entstanden ist. Zun\u00e4chst sollen viele der Bewohner Fuhrleute gewesen sein, sp\u00e4ter gingen sie ausschlie\u00dflich dem Ackerbau nach. Das Ende der einzelb\u00e4uerlichen Landwirtschaft wurde mit der Gr\u00fcndung der LPG \u201eEinigkeit\u201c im Jahr 1960 eingeleitet. Auch die Hengstzuchtstation f\u00fcr schwere Zugpferde von Fritz Liebold wich der \u201eNeuzeit\u201c. Heute finden sich nur noch vereinzelte b\u00e4uerliche Nebenerwerbsbetriebe. Von der seit 1587 mit Unterbrechung bis ins 20. Jh. betriebenen Loh- und Mahlm\u00fchle zeugt heute noch der Mahlteich.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus DDR-Zeiten weiterhin genutzt wird der Technikst\u00fctzpunkt sowie eine Stallanlage, nunmehr durch die Agrargenossenschaft Ottendorf e.G. Als einzigen Handwerksbetrieb besitzt Hellborn eine Moto Cross- und Endurowerkstatt, die von den Geschwistern Gr\u00fcnelt (Nr. 3) betrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/hellborn6.jpg\" alt=\"hellborn6\" width=\"307\" height=\"459\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die w\u00e4hrend der Amtszeit des \u201eVogelpastors\u201c Christian Ludwig Brehm anstelle einer sanierungsbed\u00fcrftigen Kapelle erbaute und 1825 eingeweihte Kirche erstrahlt nach einer Renovierung in den Jahren 1991 und 1996 wieder in ihrem urspr\u00fcnglichen Glanz. Eine Besonderheit Hellborns war eine 1925 errichtete, durch Paul \u00d6hler finanzierte zweite Kirche. Zu dieser Zeit hatte sich die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit der Mitglieder der Kirchgemeinden Hellborn, Kleinebersdorf und Renthendorf von der Landeskirche abgewandt. Die 1923 gegr\u00fcndete Gemeinde der Ev.-Luth. Freikirche Hellborn-Renthendorf wurde 1966 aufgel\u00f6st, verlor aber bereits bis 1930 die meisten ihrer Mitglieder. Zur\u00fcck blieben nur Fotos der ca. 1981 abgerissenen Holzkirche und archivierte Gerichtsakten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/hellborn4.jpg\" alt=\"hellborn4\" width=\"242\" height=\"371\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Einmalig in seiner Art im SHK ist lt. Denkmalschutzbeh\u00f6rde das 1796 gebaute Umgebindehaus (Nr. 9), in exponierter zentraler Lage. <\/p>\n\n\n\n<p>Am westlichen Ortsausgang Hellborns findet man am Stra\u00dfenrand zwei besch\u00e4digte S\u00fchnekreuze, \u00fcber deren Ursprung nichts bekannt ist. Am \u00f6stlichen Ortsausgang wird demn\u00e4chst im Zuge des geplanten Autobahnausbaus die derzeitige Kreisstra\u00dfe durch eine Autobahn\u00fcberf\u00fchrung nach Neuensorga ersetzt. Der damit verbundene Holzeinschlag erregte die Gem\u00fcter. <\/p>\n\n\n\n<p>Durch eine Eigeninitiative konnte jedoch eine L\u00f6sung herbeigef\u00fchrt werden. Gesellschaftlich organisiert sind die Einwohner im eingetragenen Feuerwehrverein und in der Jagdgenossenschaft. Mit Hilfe beantragter F\u00f6rdermittel m\u00f6chte die Jagdgenossenschaft im Dorfzentrum ein Ensemble zur Information und zum Verweilen schaffen. Das ehemalige Brau- und Darrhaus und der Gedenkstein f\u00fcr die Gefallenen des 1. WK sollen hierin eingebunden werden. J\u00e4hrlich zu Himmelfahrt und dem stets am Sonnabend danach stattfindenden Maibaumsetzen finden viele den Weg in das Seitental, wo Verpflegung und Musik zum Rasten einladen. Den Besuchern pr\u00e4sentiert sich Hellborn als idyllisch gelegenes T\u00e4lerdorf mit 31 H\u00e4usern, etwas \u00fcber 100 Einwohnern und einer Gastst\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/Grabmahl_Brehm.jpg\" alt=\"Grabmahl Brehm\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit Getreide oder Raps bedeckte H\u00f6henz\u00fcge gehen in Waldungen \u00fcber, ausgeschilderte Wanderwege laden Naturliebhaber wie Freizeitsportler gleicherma\u00dfen ein. Vorrangig Vierseitenh\u00f6fe s\u00e4umen die einzige Stra\u00dfe durch das jeweilige Dorf. Streuobstwiesen werden von Schafen \u201egepflegt\u201c, w\u00e4hrend auf saftig gr\u00fcnen H\u00e4ngen Mutterkuhherden weiden und die beschauliche Kulisse vervollst\u00e4ndigen, \u00e4hnlich wie sie sich wohl auch schon den<br><strong>Naturforschern Brehm darbot. <\/strong>Es ist nicht zu leugnen, dass die Brehms Renthendorf herausgehoben haben aus der Anonymit\u00e4t eines D\u00f6rfchens in den W\u00e4ldern Ostth\u00fcringens. Diese Tatsache gedenkt die Gemeinde auch f\u00fcr ihre Zukunft zu nutzen. Nachdem nach der Wende im Jahre 1989 viele der Arbeitspl\u00e4tze in der Landwirtschaft und in der Industrie der Umgebung u.a. angesichts des scharfen Windes auf dem Weltmarkt weggebrochen sind, gewinnt der Wirtschaftszweig Tourismus als eine Form gefragter Dienstleistungen an Bedeutung. Es ist daher auch kein Zufall, dass sich die Gemeinderatsmitglieder daf\u00fcr entschieden haben, mit Hilfe der B\u00fcrger das Dorf zum Modellort Dorftourismus zu gestalten. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatten die St\u00e4dter Renthendorf als \u201cSommerfrische\u201d entdeckt und nach 1945 bev\u00f6lkerten jedes Jahr Hunderte von Kindern und Jugendlichen aus mehreren Ferienlagern das Dorf und seine Umgebung und tankten frische Kr\u00e4fte f\u00fcr das n\u00e4chste Schuljahr. Mit der Brehm-Gedenkst\u00e4tte und dem Brehm-Schullandheim, welches im Herbst 2000 in das rekonstruierte Geb\u00e4ude der ehemaligen Brehm-Schule (Renthendorf war sp\u00e4testens seit dem 16. Jahrhundert Schulort und blieb es bis 1997) eingezogen ist, gibt es erste Voraussetzungen&nbsp; f\u00fcr \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten und Freizeitangebote. Auch bez\u00fcglich der Schaffung von Unterk\u00fcnften f\u00fcr Touristen in den H\u00e4usern der Dorfbewohner gibt es Anf\u00e4nge. Das relativ gut ausgebaute und beschilderte System von Wanderwegen in der Gemeinde und deren Umgebung bietet vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten, die wundersch\u00f6ne Landschaft zu genie\u00dfen und andere Sehensw\u00fcrdigkeiten unserer Heimat zu erwandern. Im Fr\u00fchjahr 2003 erfolgte auf dem so genannten \u201eStadtweg\u201c zwischen Renthendorf im Saale-Holzlan-Kreis und Burkersdorf im Saale-Orla-Kreis der Bau eines 1,8 km langen befestigten Radweges. 2004 erfolgte der Ausbau der kommunalen Stra\u00dfe zum Ortsteil Heiligenaue bis an die Grenze zum Landkreis Greiz<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/schullandheim.jpg\" alt=\"schullandheim\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Bau der sich in einem desolaten Zustand befindlichen Kreisstra\u00dfe durch Renthendorf geht es aus finanziellen Gr\u00fcnden leider nicht so schnell voran wie gew\u00fcnscht, aber der Anfang wurde 2002 gemacht und die Arbeiten im Jahre 2003 fortgesetzt (ca. 500 m sind bisher geschafft worden). Neben der weltweit einmaligen Brehm-Gedenkst\u00e4tte locken auch die die Veranstaltungen des Feuerwehrvereins Renthendorf e.V. (allj\u00e4hrliche H\u00f6hepunkte sind das Maibaumsetzen zu Pfingsten und die Kirmes am letzten Oktoberwochenende) und des F\u00f6rderkreises&nbsp; Brehm e.V. (z.B. mit den Fr\u00fchjahrs- und Herbstwanderungen und dem Angebot zum Erwerb eines \u201eNaturforscher-Diploms\u201c) Besucher nach Renthendorf. &nbsp; Ina M\u00fcller, Manfred Kanzner und J\u00f6rg Hitzing &nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/renthendorf202.jpg\" alt=\"renthendorf202\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Renthendorf mit Hellborn im oberen Rodatal Unweit der Rodaquelle erstreckt sich Renthendorf im Tal des idyllischen Fl\u00fcsschens \u00fcber fast drei Kilometer; ein weiterer kommt an den Ufern des Schwarzbaches hinzu, wo die Einwohner des Ortsteiles Heiligenaue leben. \u201cDie gro\u00dfe Ausdehnung Oberrenthendorfs r\u00fchrt daher, da\u00df fast jedes Haus seine Grundst\u00fccke nebenan und hinter sich hat\u201c, schrieb im Jahre 1843 der auch als \u201eVogelpastor\u201c bekannt gewordene Renthendorfer Pfarrer Christian Ludwig Brehm. 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