{"id":368,"date":"2020-02-13T15:32:26","date_gmt":"2020-02-13T15:32:26","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/?page_id=368"},"modified":"2020-02-13T15:32:26","modified_gmt":"2020-02-13T15:32:26","slug":"ortsgeschichte-tissa-ulrichswalde","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/?page_id=368","title":{"rendered":"Ortsgeschichte Tissa\/Ulrichswalde"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Tissa \/ Ulrichswalde &#8211; Gemeinde mit guten Aussichten<\/strong>                                 <br>Die  Gemeinde Tissa\/Ulrichswalde liegt  auf einem H\u00f6henzug zwischen Stadtroda  und M\u00f6rsdorf, der auf der einen  Seite durch die T\u00e4lerd\u00f6rfer und der  anderen durch das Weihertal  begrenzt wird.                                 W\u00e4hrend  Ulrichswalde von  seiner Siedlungsstruktur her ein Streudorf ist,  handelt es sich in  Tissa um einen slawischen Rundling. <br>Sicherlich wegen  der Einmaligkeit  dieser Erscheinung wurde der gesamte Ort bis 2000 unter  vorl\u00e4ufigen  Denkmalschutz gestellt. Das Gemeindegebiet\u00a0 mit einer  Gesamtfl\u00e4che von  411 ha hat mit Erdmannsdorf, Waltersdorf, Tr\u00f6bnitz,  Stadtroda, M\u00f6ckern  und Quirla gemeinsame Grenzen.                                 <br><br>Bei   einer H\u00f6henlage\u00a0 von 280m ist an vielen Standpunkten eine optimale   Rundumsicht zur Leuchtenburg, nach Jena zur Lobdeburg, zur W\u00f6llmisse und   nach M\u00f6rsdorf garantiert. Tissa ist wohl eine der h\u00f6chstgelegenen   Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft. Dieser Tatsache ist es wohl auch   zu verdanken, das die gesunde H\u00f6henluft eine verst\u00e4rkte Nachtaktivit\u00e4t   f\u00f6rdert und eine hohe Geburtenrate zur Folge hat. So sind immerhin 25   Prozent der Tissaer Kinder unter 14 Jahre alt und 6 Kinder besuchen   st\u00e4ndig Kinderg\u00e4rten. Die Zahl der Kindergartenkinder stieg zeitweise   auf 14 an, eine enorme Belastung f\u00fcr die gebeutelte Gemeindekasse.                                  <br><br>Vielleicht  ist das auch einer der Gr\u00fcnde,  warum in der Gemeinde bisher kein  Wohnbaugebiet ausgewiesen wurde,  obwohl Nachfragen ausw\u00e4rtiger Bewerber  reichlich vorhanden waren. In  Tissa ist man nicht auf den Zuzug von  Einwohnern angewiesen, die  Tissaer haben\u00a0 lieber selbst f\u00fcr neue  Einwohner gesorgt.\u00a0 Aber auch in  Ulrichswalde wird an dieser Aufgabe\u00a0  mit zunehmenden Elan gearbeitet.\u00a0  Dadurch hat sich die Einwohnerzahl in  Ulrichswalde auf 58 und\u00a0 in Tissa  auf 103 Einwohner stetig erh\u00f6ht.                                 <br><br>Nun   aber mal allen Ernstes, dieses Bergv\u00f6lkchen hat schon einiges   vorzuweisen, seitdem die harte D-Mark auch in der Gemeinde offizielles   Zahlungsmittel geworden ist. Die erste Investition war in von 1992 bis\u00a0   1994, der Bau einer komplett neuen Wasserversorgung mit Hochbeh\u00e4lter.   Dieses machte sich aus Gr\u00fcnden des immer geringer werdenden   Wasserangebots, der zunehmenden Nitratbelastung und der teilweisen   \u00dcberalterung der 1906 in Ulrichswalde und 1922 in Tissa (immerhin je   innerhalb eines Jahres) errichteten Anlagen notwendig. Die Baukosten   betrugen diesmal das 70-fache der damaligen Investitionen, h\u00e4tten   allerdings bei weitem nicht ausgereicht, die Gemeinde umzusiedeln.\u00a0                                  <br><br>Von  1995 bis 2000 konnte die Gemeinde  viele F\u00f6rdermittel im Rahmen der  Dorferneuerung f\u00fcr private und  gemeindliche Vorhaben erhalten. Diese  flossen haupts\u00e4chlich in die  Erhaltung und Modernisierung der  zahlreichen Vierseith\u00f6fe, in die  Instandsetzung des Gemeindehauses in  Ulrichswalde und in den Neubau  eines Gemeindezentrums mit\u00a0  Versammlungsraum und Jugendzimmer in Tissa.                                  \u00a0<br><br>Im  Rahmen der Ausgleichsma\u00dfnahmen\u00a0  beim Autobahnbau wurden\u00a0 die  Renaturierung\u00a0 des Dorfteiches Tissa  durchgef\u00fchrt. F\u00fcr die nahe Zukunft\u00a0  werden F\u00f6rdermittel aus dem  landwirtschaftlichen Wegebauprogramm  erwartet. So sind neue Wege in  Planung bzw. werden\u00a0 solche zur\u00a0 Zeit\u00a0  instandgesetzt.                                  Weitere,\u00a0  noch geplante gro\u00dfes Vorhaben, sind\u00a0 der Bau  der Dorfstra\u00dfe, welcher  durch dieKreisstra\u00dfenverwaltung erfolgen soll,  sowie\u00a0 die Gestaltung der  Dorfpl\u00e4tze.                                <br><br>Die  Gewerbet\u00e4tigkeit in der Gemeinde beschr\u00e4nkt sich auf drei   landwirtschaftliche Betriebe im Haupterwerb und drei im Nebenerwerb,   einen Holzr\u00fcckedienstleister,\u00a0 ein mobiles S\u00e4gewerkunternehmen,\u00a0 sowie   den weithin bekannten Kr\u00e4uterhof.                                  <br><br>Im   Jahre 1996 entschied sich die Gemeinde Tissa\/Ulrichswalde\u00a0 im Zuge der   Gebietsreform der Verwaltungsgemeinschaft \u201eH\u00fcgelland\/T\u00e4ler\u201c beizutreten,   um die Selbst\u00e4ndigkeit in l\u00e4ndlich gepr\u00e4gter Verwaltungseinheit zu   bewahren. Ein Blick in die Chronik zeigt uns, da\u00df dies nicht die erste   Verwaltungsreform war. So wurden 1923 Tissa, Ulrichswalde, Quirla,   Tr\u00f6bnitz, Geisenhain und Hainb\u00fccht nach Stadtroda eingemeindet und 1924   alle au\u00dfer Hainb\u00fccht wieder ausgemeindet. Das ging also damals schon   nicht gut. Ein Pfund Brot kostete zu dieser Zeit\u00a0 \u00fcbrigens 3 Milliarden   Mark,\u00a0 so steht es in der Chronik geschrieben.                                  <br><br>Viele  weitere wichtige und sch\u00f6ne Details aus vergangenen Tagen  sind in den  beiden Chroniken, welche\u00a0 in den drei\u00dfiger und vierziger  Jahren  entstanden, festgehalten. Eines der bemerkenswertesten ist wohl  der,  dass die D\u00f6rfer fr\u00fcher ein eigenes Braurecht mit dem dazugeh\u00f6rigen   Brauh\u00e4usern besa\u00dfen und somit ein Gro\u00dfteil der Gemeindestrafbefehle in   Biereinheiten verh\u00e4ngt wurden.                                  <br><br>Des   weiteren ist aus den Chroniken zu erfahren, dass seit 1902 in   Ulrichswalde und seit1919 in Tissa ein \u00f6ffentliches Telefon installiert   war und das der erste Fernseher 1957 in Tissa und 1959 in Ulrichswalde   angeschafft wurde.                                 <br>Bis  1902 bzw. 1906  drehte ein Nachtw\u00e4chter seine Runden. Aus mehreren  Hofstellen aus Tissa  und Ulrichswalde wanderten Einwohner nach Amerika  aus, diese wurden  sogar mit Reisegeld bis 40 Taler ausgestattet.                                  <br><br>In Ulrichswalde wurde von 1898 bis\u00a0 1908\u00a0 ein S\u00e4gewerk mit  Dampf- und \u00d6lmotorenantrieb betrieben.                                   Aber  auch die weniger allt\u00e4glichen Geschehnisse wurden in den Chroniken   festgehalten. Man erf\u00e4hrt u. a., dass im Jahr\u00a0 1880 Johann Schumann   betrunken im Dorfteich ertrank und im Jahr 1572 ein Einwohner einen   anderen Einwohner\u00a0 erstach und im Jahr 1598 derselbe einen anderen in   Notwehr erschoss.                                 Im  Jahre 1763 wurde  ein Knabe unter einem Birnbaum gefunden und Georg  Nicol Birnbaum  getauft. Sechs Gemeinden darunter Ulrichswalde mussten  die Patenschaft  \u00fcbernehmen.                                 <br><br>Auch  Politiker damaliger  Zeiten waren von hier. So war zum Beispiel der nach  dem 2. Weltkrieg  von den Amerikanern eingesetzte erste  Ministerpr\u00e4sident Th\u00fcringens, Dr.  Rudolph Paul,\u00a0\u00a0 damals Gutshofes  Ulrichswalde Nr. 6. Sein ehemaliges, unter Denkmalschutz stehendes  Anwesen, wird durch die neuen Eigent\u00fcmer  seit 1997\u00a0 unter Beachtung  aller baubiologischen und bauhistorischen\u00a0  Belange,\u00a0 bis hin\u00a0 zur  Herstellung eigener\u00a0 Farben, sachkundig  restauriert und von einer Ruine\u00a0  wieder zu einem Kleinod werden.                                  <br><br>Nachzulesen  ist auch, dass in den Jahren 1920  und 1934 eigene Friedh\u00f6fe in den  Gemeinden angelegt wurden. Auch  schwere Unwetter, gro\u00dfe Wasser und  ungew\u00f6hnliche Wetterlagen, die uns  heute so beunruhigen, traten in der  damaligen Zeit auf. So ist von 18  gro\u00dfen Wassern und \u00dcberschwemmungen  die Rede. Im Jahr 1821 badeten die  Kinder Heiligabend im Dorfteich so  gelinde war das Wetter und 1858 war  zwei Monate lang ein Komet mit  langem Schweif zu sehen, 1831 waren im  Herbst frische Heidelbeeren zu  pfl\u00fccken.                                  <br><br>Aus  den Chroniken ist ebenfalls zu entnehmen, dass 1898 eine neue   Feuerwehrspritze f\u00fcr Tissa und Ulrichswalde angeschafft wurde. Und 1903   besuchte, man glaubt es kaum, Herzog Ernst mit Gemahlin und Gefolge   mittels Automobil das D\u00f6rfchen Ulrichswalde. Seine Hoheit gr\u00fc\u00dfte und   dr\u00fcckte Jedem die Hand, so wird`s berichtet. Nach dem\u00a0 1. Weltkrieg   beklagten die Einwohner\u00a0 in Ulrichswalde 5 gefallene Soldaten von 15   eingezogenen M\u00e4nnern, w\u00e4hrend in Tissa ein Soldat gefallen war. Im 2.   Weltkrieg kehrten aus Ulrichswalde 3 Soldaten und in Tissa 6 Soldaten   nicht in die Heimat zur\u00fcck.                                  <br><br>Nun  aber  noch einmal zur\u00fcck in die heutige Zeit, \u00fcber die hoffentlich auch  noch  in hundert Jahren alles Wichtige nachzulesen sein wird. Der  kulturelle  Mittelpunkt in der Gemeinde ist die j\u00e4hrliche  Veranstaltungsreihe des  Heimatvereins Tissa, die im Mai und im Juni  veranstaltet\u00a0 wird. Die  Palette der Veranstaltungen reicht vom  Jugendtanz, \u00fcber Holzhacker- und  Vereinsfest bis zum  Sensenm\u00e4hwettbewerb. Der Hauptgedanke bei der  Durchf\u00fchrung unserer  Feste\u00a0 ist es, die Brauchtumspflege, die  Naturverbundenheit und  nat\u00fcrlich die Geselligkeit zu f\u00f6rdern und zu  erhalten.                                 <br><br>Zum  Vereinsfest sind speziell  Vereine, Feuerwehren sowie Sport-\u00a0 und  Faschingsvereine und  artverwandte Zusammenschl\u00fcsse willkommen.\u00a0 Diese  werden sogar mit  Bussen an- und abgefahren.                                  Beim   Sensenm\u00e4hwettbewerb k\u00f6nnen Sensenm\u00e4nner und -frauen ihre F\u00e4higkeiten   unter Beweis stellen, mit Muskelkraft die Ern\u00e4hrung zu sichern. Hierbei   sind oftmals recht ansehnliche Preise zu erstreiten.\u00a0 Und au\u00dferdem  f\u00fchrt  ein Spaziergang auf dem Weg\u00a0 von Tr\u00f6bnitz aus \u00fcber  Tissa\/Ulrichswalde  direkt in die Weihertalm\u00fchle, zu einer  wohlverdienten Mahlzeit und  nat\u00fcrlich auch wieder\u00a0 zur\u00fcck in die  Gasth\u00e4user nach Tr\u00f6bnitz und  Waltersdorf.                                  <br><br>Es ist also schon so:\u00a0 die Gemeinde Tissa\/Ulrichswalde ist jedes Jahr  mindestens einmal eine Reise wert !                                  Rainer Hartung<br>B\u00fcrgermeister <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tissa \/ Ulrichswalde &#8211; Gemeinde mit guten Aussichten Die Gemeinde Tissa\/Ulrichswalde liegt auf einem H\u00f6henzug zwischen Stadtroda und M\u00f6rsdorf, der auf der einen Seite durch die T\u00e4lerd\u00f6rfer und der anderen durch das Weihertal begrenzt wird. 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