{"id":258,"date":"2020-01-02T09:39:53","date_gmt":"2020-01-02T09:39:53","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/?page_id=258"},"modified":"2020-01-02T09:40:11","modified_gmt":"2020-01-02T09:40:11","slug":"taelermuehle-waltersdorf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/?page_id=258","title":{"rendered":"T\u00e4lerm\u00fchle Waltersdorf"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/Talermuhle_um_1900.jpg\" alt=\"T\u00e4lerm\u00fchle_um_1900\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Die wechselvolle Geschichte der T\u00e4lerm\u00fchle bei Waltersdorf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer\n in den vergangenen Wochen auf der Stra\u00dfe Richtung Erdmannsdorf \nunterwegs war, dem ist vielleicht aufgefallen, dass sich an der \nT\u00e4lerm\u00fchle gebaut wird. Als bei den Bauarbeiten die dicken, alten Balken\n zu erkennen waren, konnte man f\u00fcr kurze Zeit sehen, dass es sich um ein\n schon recht betagtes Anwesen handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich\n hie\u00df sie fr\u00fcher einmal Neum\u00fchle bzw. die Neue M\u00fchle, doch heute ist nur\n noch der Name T\u00e4lerm\u00fchle \u00fcblich f\u00fcr die Geb\u00e4ude, die sich wie ein \nkleiner Ortsteil von Waltersdorf direkt an der Landstra\u00dfe zwischen \nWaltersdorf und Erdmannsdorf befinden. <\/p>\n\n\n\n<p>Als\n sich im 12. Jahrhundert fr\u00e4nkische Siedler in unserer waldreichen \nGegend erstmals niederlie\u00dfen, gr\u00fcndeten sie das Dorf Waltersdorf und \nbenannten es nach ihrem Anf\u00fchrer Walter, wie dies bei vielen D\u00f6rfern \nfr\u00e4nkischen Ursprungs \u00fcblich war.<\/p>\n\n\n\n<p>Als\n Kurf\u00fcrst Johann Friedrich von Sachsen-Altenburg 1543 einige der \nT\u00e4lerd\u00f6rfer an die Herren von Meusebach verkaufte, war auch Waltersdorf \neines der D\u00f6rfer, die den Besitzer wechselten. Diesem Handel verdankt \ndie T\u00e4lerm\u00fchle ihre Entstehung, denn es war Christian Albrecht von \nMeusebach, der sie 1722 erbauen lie\u00df. Die Neum\u00fchle, wie sie damals \ngenannt wurde, war eine Schneidem\u00fchle und hatte zwei Mahlg\u00e4nge. \nAngetrieben wurde sie vom Wasser der Roda. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/talermuhle_1.jpg\" alt=\"t\u00e4lerm\u00fchle_1\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nach\n 1753 f\u00e4llt Waltersdorf und damit auch die T\u00e4lerm\u00fchle dem Staate zu und \nsie wird 1755 f\u00fcr 1100 Mei\u00dfner Gulden an Johann Michael M\u00fcller verkauft.\n Von nun an wechselte die M\u00fchle zw\u00f6lf Mal den Besitzer und kam zwei Mal \nunter den Hammer: Im Jahre 1828 wurde sie von Johann Gottfried Willes \naus Waltersdorf vollkommen neu renoviert. Nach seinem Tod kam die \nT\u00e4lerm\u00fchle in Besitz des M\u00fcllers Johann Daniel Schumann, der sie 1847 \nseinem Sohn Friedrich Wilhelm Schumann verkaufte. N\u00e4chster Besitzer \nwurde 1861 Emil Bertold Schmei\u00dfer. Ab 1874 bewirtschaftete Karl Ludwig \nHausschild aus Ronneburg die M\u00fchle, wonach sie dann 1885 gegen ein \nGrundst\u00fcck im F\u00fcrstentum Reu\u00df getauscht und 1886 zwangsversteigert \nwurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\n der Versteigerung erstand Alwine Louise verw. Schmei\u00dfer in Roda die \nM\u00fchle f\u00fcr 27.550 Mark und ab 1903 war der F\u00f6rster Otto Herrmann \nBleichrodt neuer Eigent\u00fcmer. Nun folgte im Jahre 1910 die zweite \nZwangsversteigerung, nach der dann 1911 der Lehrer Karl Friedrich \nSteingruber aus Lippersdorf die M\u00fchle betrieb. Er stellte Streumehl f\u00fcr \ndie B\u00e4ckerUm 1900 war die T\u00e4lerm\u00fchle ein Schiefergeb\u00e4ude mit M\u00fchlrad und\n einer Scheune. Das Wasser der Roda wurde in einem 600 m langen \nM\u00fchlgraben zum M\u00fchlrad geleitet und mit einem kleinen Wehr wurde der \nZulauf geregelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem\n die T\u00e4lerm\u00fchle 1922 in den Besitz der Fa. Th\u00fcringer Streumehlfabrik \nScholle &amp; Co. Kam, wurde 1923 \u00d6konomierat Rudolf Rossner aus Zeitz \nEigent\u00fcmer der T\u00e4lerm\u00fchleeien her.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\n erfolgte ein Umbau im Jahre 1933 und im Jahr 1934 erbte die M\u00fchle Frau \nM\u00fcller-Albert, geb. Rossner, Ehefrau des Kaufmanns Franz Herrmann \nM\u00fcller-Albert. Dieser verlies die 1953 die DDR und die T\u00e4lerm\u00fchle wurde \nverstaatlicht, Rechtstr\u00e4ger wird die Gemeinde Waltersdorf. Infolge des \nII. Weltkrieges waren auch in der T\u00e4lerm\u00fchle Umsiedler untergebracht, \ndie denn 1956 die T\u00e4lerm\u00fchle verlie\u00dfen. In dieser Zeit wurde auch das \nkleine Elektrizit\u00e4tswerk stillgelegt, welches seit 1928 in Betrieb war. \nEine neue \u00c4ra begann mit der Nutzung der T\u00e4lerm\u00fchle als Lehr- und \nForschungsanstalt f\u00fcr Bienenzucht. Bis zu seiner Aufl\u00f6sung 1969 wurden \n\u00fcber 1000 Imker aus- und weitergebildet. Ab 1970 wurde die T\u00e4lerm\u00fchle \nals Weiterbildungszentrum f\u00fcr Leitungskader in der Landwirtschaft von \nder Agraringenieurschule Stadtroda genutzt, welche damit die \nRechtstr\u00e4gerschaft \u00fcbernahm. Wegen der zu geringen Kapazit\u00e4ten wurde ein\n umfangreicher Umbau vorgenommen, welcher 1975 abgeschlossen werden \nkonnte. Die T\u00e4lerm\u00fchle war nun eine \u201equalifizierte \nWeiterbildungseinrichtung der Leitungskader der Tierproduktion f\u00fcr die \nBezirke Gera, Halle, Erfurt und Suhl\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Am\n 24. April 1980 fielen in wenigen Stunden riesige Massen von nassem \nSchnee, dessen Gewicht hunderttausende von Festmetern Schneebruch in den\n W\u00e4ldern der Umgebung verursachte. Zur schnellen Beseitigung dieses \nHolzes wurden 50 Hilfskr\u00e4fte in der T\u00e4lerm\u00fchle untergebracht, was zu \neiner mehrmonatigen Einstellung des Lehrgangsbetriebes f\u00fchrte. Ein \nverheerendes Hochwasser am 10. August 1981 richtete in den T\u00e4lerd\u00f6rfern \nnoch zus\u00e4tzlichen Sch\u00e4den zu. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/Talermuhle_1940.jpg\" alt=\"T\u00e4lerm\u00fchle_1940\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Als\n im Fr\u00fchjahr 1982 der Lehrgangsbetrieb wieder aufgenommen wird, steht \ndie Einrichtung wegen Treibstoffmangels nur noch f\u00fcr Leitungskader aus \ndem damaligen Bezirk Gera zur Verf\u00fcgung. <\/p>\n\n\n\n<p>Im\n Fr\u00fchjahr 1983 beherbergt die T\u00e4lerm\u00fchle \u00f6sterreichische Staatsb\u00fcrger, \ndie sich zur \u201eRealisierung eines volkswirtschaftlich wichtigen \nHolzexportauftrages\u201c in unserer Gegend befanden. In der Zeit bis zur \nWende wurde die Tagungsst\u00e4tte von vielen verschiedenen Kollektiven \ngenutzt, wie z.&nbsp;B. von den Feinwollschaftz\u00fcchtern aus den Bezirken Gera,\n Erfurt, Suhl und Chemnitz, von der Agrarflugstaffel Leipzig oder vom \nRektorrat der Universit\u00e4t Jena. Die letzte gro\u00dfe Renovierung vor 1990 \nfand im Jahr 1988 statt, wobei neben Dachreparaturen das gesamte Geb\u00e4ude\n innen und au\u00dfen gemalert wurde. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/Talermuhle_in_DDR_Zeiten.jpg\" alt=\"T\u00e4lerm\u00fchle_in_DDR_Zeiten\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Im\n Jahre 1990 erfolgte der Anschluss an die zentrale Wasserversorgung, da \nder bisher genutzte Brunnen nicht mehr genug Wasser abgab. Nachdem \nAnfang 1990 noch einige Managementlehrg\u00e4nge stattfanden, ging der Bedarf\n an Weiterbildungen in der T\u00e4lerm\u00fchle zur\u00fcck. Hatten von 1970 bis 1990 \nan die 20.000 Tagungs- oder Lehrgangsteilnehmer an Fachtagungen \nteilgenommen, wurde die Einrichtung nach und nach nur noch als \nBeherbergungsobjekt genutzt. Doch da es inzwischen an \n\u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten nicht mehr mangelte und deren Ausstattung und\n Erreichbarkeit auch besser war, gab es bald keine \u00dcbernachtungsg\u00e4ste \nmehr. Erschwerend kam hinzu, dass die Erben des Herrn M\u00fcller-Albert ihre\n Besitzanspr\u00fcche angemeldet hatten. Daraufhin wird jegliche \nInvestitionst\u00e4tigkeit seitens der Agraringenieurschule eingestellt und \n1997 der Schul- und Beherbergungsbetrieb eingestellt.<br><br>Nachdem der\n Schornstein des Heizhauses 1999 wegen Einsturzgefahr abgerissen wurde, \nscheint eine sinnvolle Nutzung des Geb\u00e4udes in weite Ferne ger\u00fcckt zu \nsein. Die T\u00e4lerm\u00fchle ist wegen der ungekl\u00e4rten Besitzverh\u00e4ltnisse dem \nVerfall preisgegeben. Das alte Inventar wird 2000 entsorgt und nun gaben\n sich die Gutachter, Gerichtsvertreter, Erben und Vertreter des Amtes \nf\u00fcr offene Verm\u00f6gensfragen die T\u00fcrklinke in die Hand. Im Februar 2001 \nf\u00e4llt dann endlich eine Entscheidung. Die Erben erhalten&nbsp; ihren \nehemaligen Besitz zur\u00fcck. Die neue Besitzerin, eine 82j\u00e4hrige Dame aus \nden alten Bundesl\u00e4ndern, beschlie\u00dft den Verkauf ihres Erbes. Nach der \nfolgenden Teilung des Gesamtkomplexes T\u00e4lerm\u00fchle wurde das ehemalige \nHauptgeb\u00e4ude der T\u00e4lerm\u00fchle 2003 verkauft und wird privat genutzt. <\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt\n zu hoffen, dass es den neuen Eigent\u00fcmern gelingt, die T\u00e4lerm\u00fchle eines \nTages wieder in neuem Glanz erscheinen zu lassen. Derjenige, der wie \nviele unserer Einwohner im VG-Gebiet, in einem \u00e4lteren Geb\u00e4ude lebt, \nwird wissen, wie viel finanzielle Mittel und Kraft f\u00fcr die Erhaltung des\n Geb\u00e4udes n\u00f6tig sind.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;T.\n Schwarz im Januar 2007 (unter Verwendung der Chroniken von Horst \nSippach, Waltersdorf und Karl Hoffmann, Waltersdorf\/T\u00e4lerm\u00fchle)&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wechselvolle Geschichte der T\u00e4lerm\u00fchle bei Waltersdorf Wer in den vergangenen Wochen auf der Stra\u00dfe Richtung Erdmannsdorf unterwegs war, dem ist vielleicht aufgefallen, dass sich an der T\u00e4lerm\u00fchle gebaut wird. Als bei den Bauarbeiten die dicken, alten Balken zu erkennen waren, konnte man f\u00fcr kurze Zeit sehen, dass es sich um ein schon recht betagtes Anwesen handelt. Eigentlich hie\u00df sie fr\u00fcher einmal Neum\u00fchle bzw. die Neue M\u00fchle, doch heute ist nur noch der Name T\u00e4lerm\u00fchle \u00fcblich f\u00fcr die Geb\u00e4ude, die&#8230;<\/p>\n<p class=\"read-more\"><a class=\"btn btn-default\" href=\"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/?page_id=258\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> Weiterlesen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":212,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"templates\/template-no-sidebar.php","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/258"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=258"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/258\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":260,"href":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/258\/revisions\/260"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}