{"id":252,"date":"2020-01-02T09:34:38","date_gmt":"2020-01-02T09:34:38","guid":{"rendered":"http:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/?page_id=252"},"modified":"2020-01-02T09:34:38","modified_gmt":"2020-01-02T09:34:38","slug":"quelle-waltersdorf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gemeinden.huegelland-taeler.de\/?page_id=252","title":{"rendered":"Quelle Waltersdorf"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die&nbsp; Quelle&nbsp; von&nbsp; Waltersdorf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt irgendwann zur Quelle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon\n seit Menschengedenken sind nat\u00fcrliche Quellen bevorzugte Orte in der \nEntwicklungs geschichte der Besiedlung. Wegen ihrer h\u00e4ufig besonderen \n\u00f6rtlichen Lage wurden sie nicht selten von den Menschen beinahe bis zum \nMystischen verehrt und mit besonderen Riten bedacht. Die st\u00e4ndige \nVerf\u00fcgbarkeit von lebensnotwendigem, frischem Trinkwasser f\u00fchrte \nletztendlich in vielen F\u00e4llen zur Ansiedlung in der N\u00e4he von Quellen.<\/p>\n\n\n\n<p>So\n ist es vermutlich auch der Quelle von Waltersdorf&nbsp; zu verdanken, dass \nan dieser Stelle ein Ort entstand. Sie befindet sich hinter dem \nOrtsausgang Richtung T\u00e4lerm\u00fchle auf der rechten Seite am Waldrand und \nspeist den alten Dorfteich bevor sie&nbsp; in der N\u00e4he der alten \nSteinbr\u00fcckein die Roda m\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider\n ist in der Ortschronik nur wenig \u00fcber die Historie dieser Quelle zu \nfinden, so dass manches nur vom H\u00f6rensagen in Erfahrung zu bringen war. \nDie \u00e4ltesten noch lebenden Einwohner erz\u00e4hlten zum Beispiel von einer \noffenen Wasserleitung aus h\u00f6lzernen Halbschalen, die von der Quelle zum \nKern des Ortes gef\u00fchrt wurde und die Einwohner mit frischem Trinkwasser \nversorgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\n dem fortschreitenden Anschluss der Orte der T\u00e4lerd\u00f6rfer an die zentrale\n Wasserversorgung verfiel zu Beginn des 20. Jahrhunderts diese Leitung \nund damit verlor auch die Quelle viel von ihrer urspr\u00fcnglichen \nBedeutung. Dadurch wurde ebenso das unmittelbare Umfeld mehr oder \nweniger sich selbst \u00fcberlassen und f\u00fchrte zwangsl\u00e4ufig dazu, dass sich \ndie Natur den Raum zur\u00fcckeroberte. Dennoch&nbsp; ist sie nach wie vor durch \nihren st\u00e4ndigen Zufluss f\u00fcr die Erneuerung des Wassers im Dorfteich sehr\n wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl\n ich vorher bereits von ihrer Existenz geh\u00f6rt hatte, wurde ich im \nFr\u00fchjahr 2009 zuf\u00e4llig bei Holzarbeiten in der N\u00e4he der Quelle direkt \nmit ihr konfrontiert. Kaum erkennbar floss ein Rinnsal aus Richtung Wald\n kommend zum Teich hin. Nur schwer war der Ursprung zu finden, das \nUmfeld war von umgest\u00fcrzten B\u00e4umen und wucherndem Strauchwerk \ngekennzeichnet. Der Wichtigkeit bewusst brachte ich durch erste grobe \nArbeiten mit Kettens\u00e4ge, Axt und Spaten zun\u00e4chst im wahrsten Sinne des \nWortes Licht ins Dunkel. Dem Verlauf der Quelle aufw\u00e4rts n\u00e4herte ich \nmich nach einigen Aufr\u00e4umungsarbeiten dem Ursprung \u2013 einer erstaunlich \ngut erhaltenen H\u00f6hle, die sich bei genauerem Hinsehen im Inneren als \nkomplette Grotte mit gew\u00f6lbef\u00f6rmiger Decke darstellte. Dies alles aus \nbehauenen Sandsteinen, eine Augenweide f\u00fcr jeden Interessierten.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Zwar\n waren von der seitlichen Einfassung des Quelllaufes und der \nGew\u00f6lbefront einige gro\u00dfe Steine herabgefallen, der Aufwand einer \nRestaurierung erschien aber im Vergleich zum zu erwartenden Erfolg mehr \nals lohnenswert. Zudem hatte mich jetzt eine Art Entdeckerlust gepackt. \nGespannt und voller Neugier setzte ich in den folgenden Wochen die \nweitere Freilegung und Ber\u00e4umung des Umfeldes fort. Dabei bewahrheitete \nsich wieder einmal, dass relativ viel Arbeitsaufwand notwendig ist, bis \nerkennbare Fortschritte zu sehen sind, zumal manche T\u00e4tigkeit auch sehr \nm\u00fchsam und kraftraubend war. Von Anfang an wurde Wert darauf gelegt, in \nFortf\u00fchrung langj\u00e4hriger baulicher Tradition in der Region fehlende \nSteine ausschlie\u00dflich durch behauene Sandsteine zu erg\u00e4nzen. Dabei kamen\n mir einige Bewohner des Altdorfes durch freiwillige Spenden entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei\n der Bergung und Reinigung eines gro\u00dfen Sandsteines aus dem Schlamm des \nBachbettes wurden v\u00f6llig \u00fcberraschend und zu meiner Verbl\u00fcffung und \nFreude gut erhaltene eingehauene Zeichen sichtbar, die sich nach \ngenauerem Hinsehen als eine Jahreszahl entpuppten. Demnach k\u00f6nnte die \nQuelle im Jahre<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 1752<\/p>\n\n\n\n<p>gefasst\n worden sein, eventuell m\u00fcsste die Echtheit der Kerben gepr\u00fcft werden. \nDieser Stein erhielt seinen Platz als Abschluss der oberen Front des \nGew\u00f6lbes und bildet einen gelungenen Blickfang auf die Sichtfl\u00e4che. \nWichtig war die Einfassung des Bachlaufs auf den ersten Metern in \nRichtung Teich. Schnell waren die Sandsteine aufgebraucht und die \nWeiterarbeit musste zun\u00e4chst unterbrochen werden. Von der Quelle in \nRichtung Dorf entstand ein provisorischer schmaler Weg, um auch in \nZukunft eine leichtere Begehbarkeit und notwendige Materialtransporte zu\n sichern. Beim Einebnen des Gel\u00e4ndes trat noch eine weitere \nnichtgefasste Quelle zutage, die im weiteren Verlauf mit der \nurspr\u00fcnglichen vereinigt wurde. Leider ist aus der Historie kein Name \nf\u00fcr die Quelle \u00fcberliefert, selbst die \u00e4ltesten Einwohner konnten mir \nhier nicht weiterhelfen. Seit langer Zeit wird die den alten Dorfteich \numgebende Gr\u00fcnfl\u00e4che als Bornwiese bezeichnet und so wurde in Abstimmung\n mit Alt \u2013 Waltersdorfern die Quelle <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.huegelland-taeler.de\/assets\/images\/Quelle_Waltersdorf2.jpg\" alt=\"Quelle Waltersdorf2\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wiesenborn<\/p>\n\n\n\n<p>getauft.\n Ein entsprechender Sandstein wurde in Eigenarbeit mit diesem Namen \nversehen und ebenfalls an der Frontseite des Gew\u00f6lbes platziert. Eine \nerste chemische Analyse des Quellwassers bescheinigt eine sehr gute \nQualit\u00e4t, die Wasserh\u00e4rte liegt unterhalb von 20\u00b0 DH, die Belastung mit \norganischen Bestandteilen ist weit unter der zul\u00e4ssigen Grenze ebenso \nwie der Nitrat- und Nitritgehalt.&nbsp; Durch mehrfache eigene Verkostungen \ndirekt an der Quelle konnte ich mich von einem angenehm frischen \nGeschmack \u00fcberzeugen und habe diese Selbstversuche bis jetzt unbeschadet\n \u00fcberlebt.&nbsp; <br>Auf Anraten der mit der Analyse beauftragten Einrichtung\n sollte das Wasser allerdings vor dem Genuss sicherheitshalber abgekocht\n werden. Auch in trockensten Sommern liefert die Quelle einen nie \nversiegenden Wasserfluss mit einer Temperatur von 5 \u2013 7\u00b0C und einer \nErgiebigkeit von etwa 20l pro Minute. <br><br>In diesem Jahr ist der \nweitere Ausbau des Quelllaufes und die Fortsetzung der Gestaltung des \nUmfeldes geplant. Dringend erforderlich sind daf\u00fcr weitere behauene \nSandsteine, bei dieser Gelegenheit wird um entsprechende Spenden aus den\n umliegenden Orten gebeten. Jeder Stein kann dazu beitragen, dass am \nEnde eine sch\u00fctzenswerte Anlage und eine Sehensw\u00fcrdigkeit f\u00fcr \nWaltersdorf entstehen. F\u00fcr den Monat April ist in Anlehnung an bereits \nbestehende traditionelle Br\u00e4uche eine sogenannte \u201eBornfege\u201c vorgesehen, \nbei der gemeinsam wichtige Arbeiten durchgef\u00fchrt werden<\/p>\n\n\n\n<p>Mein\n besonderer Dank gilt f\u00fcr t\u00e4tige Unterst\u00fctzung Herrn J\u00fcrgen Reichelt \nund&nbsp; Herrn Harald Ertl und f\u00fcr uneigenn\u00fctzige \u201eSteinspenden\u201c ebenfalls&nbsp; \nHerrn Ertl und Herrn Michael Neumann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Norbert Miosga<br>Waltersdorf (M\u00e4rz 2010)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die&nbsp; Quelle&nbsp; von&nbsp; Waltersdorf Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt irgendwann zur Quelle Schon seit Menschengedenken sind nat\u00fcrliche Quellen bevorzugte Orte in der Entwicklungs geschichte der Besiedlung. Wegen ihrer h\u00e4ufig besonderen \u00f6rtlichen Lage wurden sie nicht selten von den Menschen beinahe bis zum Mystischen verehrt und mit besonderen Riten bedacht. 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